Dorsten liegt am Rand der Niederrheinischen Bucht, einem Gebiet mit nachweislicher, wenn auch moderater Seismizität. Mit einer Bevölkerungszahl von rund 76.000 Menschen und einer Bebauung, die von Fachwerkhäusern der Altstadt bis zu modernen Gewerbeimmobilien entlang der Lippe reicht, ist der Baugrund alles andere als einheitlich. Die geologische Karte zeigt quartäre Lockersedimente der Lippe-Terrassen, die je nach Lagerungsdichte und Wassersättigung völlig unterschiedlich auf zyklische Beanspruchung reagieren. Wer in solchen Verhältnissen ein Bauwerk mit Basisisolierung plant, braucht keine allgemeinen Bodenkennwerte, sondern eine präzise, laborbasierte Erdbebenisolationsbemessung. Unser Team führt die erforderlichen dynamischen Triaxialversuche und Resonant-Column-Tests durch, um die Steifigkeitsdegradation und das Dämpfungsverhalten des anstehenden Bodens exakt zu bestimmen. Denn die Wirksamkeit eines Isoliersystems hängt nicht nur von den Lagern ab, sondern davon, wie realistisch die Wechselwirkung zwischen Baugrund und Bauwerk modelliert wird. Die Kennwerte aus unseren Versuchen fließen direkt in die numerischen Modelle der Tragwerksplaner ein, und für eine vollständige Standortcharakterisierung kombinieren wir die Ergebnisse bei Bedarf mit der seismischen Mikrozonierung, um lokale Verstärkungseffekte zu identifizieren.
Die Dimensionierung eines Basisisoliersystems beginnt nicht beim Lagerhersteller, sondern im Labor mit der korrekten Bestimmung der Scherwellengeschwindigkeit und des Dämpfungsgrads des lokalen Baugrunds.
